Rodenbach – Wesel – Minden – Rodenbach

Etappe 1: – 05.09.2013
Rodenbach bis Rüdesheim – 105 km

Um 7:00 sollte es losgehen. Fast pünktlich, um 7:15 starteten wir unsere diesjährige Radtour. Es war um diese Uhrzeit noch recht kühl, aber mit der richtigen Kleidung war das kein Problem. Von der rechten Mainseite grüßte uns zum Abschied das Schloss Philippsruhe in Hanau.

Bis 10:00 Uhr wurde es so sonnig, dass wir uns nach und nach der warmen Kleidung entledigten und mit Radlerhose und T-Shirt weiterfahren konnten.
Die überwiegend sehr guten Fahrradwege und ein wenig Rückenwind sorgten dafür, dass wir flott vorankamen. Sogar die Fahrt durch die Stadt Frankfurt, am Mainufer entlang, verlief wesentlich einfacher, als wir und das bei der Planung der Reise vorgestellt hatten. Erst am Ortsende verließen wir den Main und Felder bestimmten das Bild. Auf einer Wiese konnten wir sogar noch zwei Störche beobachten, die eifrig Futter suchten. In Mainz behinderten uns einige Baustellen, in denen sich der Fahrradweg auflöste und Umleitungen nur spärlich oder gar nicht angezeigt wurden. Nach Mainz bestimmten viele Kleingärten und Obstplantagen das Landschaftsbild. Über den Weingbergen erhob sich das Schloss Johannisberg. In Ingelheim setzten wir mit der Fähre über nach Östrich-Winkel, da unser ausgesuchter Campingplatz auf dieser Seite des Rheins lag. Auf der gesamten Fahrt begegneten wir vielen Radfahrern und Joggern, die ebenfalls das fantastische Wetter ausnutzten. Wir waren froh, als wir gegen 17:00 Uhr den vorgesehen Camplingplatz kurz vor Rüdesheim erreichten. Unsere  Beine waren von der ersten Ettappe recht müde.
Obwohl wir das Zelt das letzte Mal vor ca. einem Jahr auf- und abgebaut hatten, war es im Nu aufgestellt. Ein Abendessen, 2 Gläser Wein, ein kleiner Spaziergang und wir waren um 21.00 Uhr reif für das Bett.

Rüdesheim: 06.09.2013 – 10 Km

Wir haben gut geschlafen, obwohl es für Anfang September ungewöhnlich warm war und unsere Schlafsäcke für niedrigere Temperaturen bestimmt sind. Zum Frühstück, das wir in einer Bäckerei zu uns nahmen, fuhren wir in die Stadt. Direkt am Fahrradweg lag ein großes Fahrradgeschäft mit Reparaturwerkstadt. Vor der Radtour hatten wir ein Dynamoladegerät gekauft, um Handy und Navigationsgerät während der Fahrt aufzuladen. Das Geräusch des eingeschalteten Dynamos und der Widerstand während der Fahrt störten so sehr, dass wir das Vorderrad gegen ein Rad mit Nabendynamo austauschen ließen, die unterwegs verlorene Klingel wurde ersetzt und die Gangschaltung an Heikes Rad konnte nachgestellt werden. Der Vorteil dieser Aktion lag darin, dass unsere Räder während der Besichtigung Rüdesheims sicher geparkt waren. Wir fuhren mit der Gondel zum Niederwalddenkmal und genossen von hier oben den herrlichen Blick auf den Rhein, die Weinberge und die Nahemündung in Bingen.

Nach der Rückfahrt mit der Gondel statteten wir den für den Tourismus herausgeputzen Straßen von Rüdesheim mit ihren vielen Geschäften einen Besuch ab. Der Abschluss war der Gang durch die für Rüdesheim bekannte Drosselgasse, die um diese Uhrzeit noch nicht so überlaufen war.

Gegen 17:00 Uhr waren unsere Fahrräder fertig und wir konnten damit wieder zum Campingplatz zurückfahren.

Etappe 2: – 07.09.2013
Rüdesheim bis Koblenz – 76 km

Um 6:30 klingelte zufällig der Wecker. Obwohl das so nicht geplant war, zeigte ein Blick gen Himmel, dass es eigentlich schon zu spät war. Dunkle tiefe Wolken versprachen Regen in kürzester Zeit. So schnell wir konnten, pakten wir das Zelt zusammen. Die ersten Tropfen fielen bereits. Eine schnell über das Gepäck gelegte Plastikfolie sorgte dafür, dass die Koffer mit der Kleidung nicht nass wurden. Der Nachläufer war gerade gepackt und wir hatten unsere Regenkleidung an, als es heftig zu schütten anfing. Nach und nach verstauten wir unsere Taschen auf den Rädern. Das Frühstück bei REWE fiel damit ins Wasser. Stattdessen gab es Joghurt und Weintrauben, die wir noch von zu Hause mitgenommen hatten (der Kühlschrank musste ja leer werden). Es hatte sich eingeregnet, obwohl es laut Wetterbericht schön bleiben sollte. In Rüdesheim ging es mit der Fähre auf die andere, die linke Rheinseite.

Wir kamen durch Bacharach und St. Goar, Orte, die für Touristen eine gewisse Anziehungskraft ausüben. Viele Busse entließen Scharen von Menschen, die entweder in die Städte strömten oder wartende Ausflugsschiffe bestiegen. Da musste man sich mit dem Fahrrad schön vorsichtig durcharbeiten.
In St. Goar hörte es endlich auf zu regnen. Jetzt konnten wir wieder daran denken, bei schönen Motiven den Foto aus der Tasche zu holen.


Unser Weg führte fast ausschließlich am Rhein entlang. Reger Schiffsverkehr begleitete uns zur rechten Seite. Auf der anderen Seite fuhren neben uns die Autos und gleich dahinter die Züge. Teilweise ratterten sie nur wenige Meter an den Häusern vorbei. Wohnen möchten wir dort nicht. Da ist Fluglärm nichts dagegen. Als Zwischenmalzeit gönnten wir uns eine Riesenbratwurst. Ein großer Biergarten, der die Beobachtung der Räder zulies, lud uns dazu ein. Nach 70 km und gegen 16:00 Uhr hatten wir das “Deutsche Eck” erreicht.

Es war Samstag und es wurde ein Flohmarkt abgehalten, dessen Betreiber gerade dabei waren einzuräumen. Durch ein unvorstellbares Menschengwühl mussten wir uns durcharbeiten, um zum Deutschen Eck (Zusammenfluss von Mosel und Rhein) zu gelangen. Heike machte noch ein paar Fotos von den obersten Treppenstufen und der ersten Plattform des Denkmals. In dieser Zeit begann ich schon die Fahrräder und mich regenfest zu machen, weil der plötzlich schwarz werdende Himmel nichts Gutes versprach. Als wir uns wieder auf die Räder setzten, öffnete der Himmel sämtliche Schleusen. Camping hatte sich damit erledigt. Wir fuhren deshalb weiter, bis wir in Kesselheim eine kleine Gaststätte mit Zimmervermietung gefunden hatten. Hier können wir unsere Sachen trocknen und morgen müssen wir kein nasses Zelt einpacken.

Etappe 3: 08.09.2013
Koblenz bis Bonn – 76 km

In der Nacht ging ein schweres Gewitter nieder. Wir hatten also mit der Übernachtung in der Gaststätte die richtige Wahl getroffen. Die meisten Sachen konnten wir trocknen. Zur Weiterreise verpackten wir dieses Mal alles gleich regenfest. Es nieselte bereits. Der Himmer verhieß auch für den heutigen Tag nichts Gutes. Ein frischer Wind trieb die tief hängenden Wolken durch das Rheintal, blies uns ins Gesicht und graue Nebelschwaden kletterten mühsam die bewaldeten Hänge hoch. Der Rhein hat inzwischen eine stattliche Breite erlangt und der Schiffsverkehr nimmt zu.

Nicht nur Schiffe mit Kohle und Schrott begegnen uns, auch Öl- und Gastransport sehen wir, vereinzelt auch mit Containern beladene Schiffe. Es bleibt trüb. Nieselregen und Gegenwind sind heute unsere Begleiter. Keine im Wasser spielende Kinder wie in Rüdesheim, lediglich ein paar Hunde springen am flachen Ufer durchs Nass. Es ist auch kein Wetter für schöne Fotos. Das Einheitsgrau lässt nichts zu. Kurz hinter Bonn entschieden wir uns wieder, in ein Hotel zu gehen, da die Vorhersage unbeständiges Wetter ankündigte.

Etappe 4: 09.09.2013
Bonn bis Meerbusch – 67 km

Wir hatten ein sehr schönes Zimmer mit Blick auf den Rhein und für zusätzliche 10 Euro ein reichhaltiges Frühstücksbuffett. Für die Räder hatte das Hotel eigentlich eine Garage vorgesehen. Da diese aber schon belegt war, wurde uns ein separater Gaststättenraum zugewiesen. So etwas Feudales sind unsere Räder nicht gewohnt. Bereits zeitig (6 Uhr aufstehen, danach Frühstück) konnten wir uns für die Weiterreise fertig machen einschließlich kompettem Regenschutz. Uns wurde empfohlen, auf die rechte Seite des Rheins zu wechseln, um das große Industriegebiet zu umgehen. Eine ganz kleine Fähre brachte uns rüber. Der Kapitän half uns beim Verladen der Räder, damit wir mit Rad und dem Nachläufer überhaupt auf die Fähre kamen. Von dieser Seite des Flusses konnten wir das Einfahren der Schiffe zum Beladen mit Gas usw. beobachten. Einige km weiter beobachten wir einen Schwarm grüner Papageien, die einen riesigen Spektakel veranstalteten. Wir hielten an und beobachteten dies genauer. Ein Passant erklärte uns, dass die Vögel hier ihr Nachtquartier haben und tagsüber in die Stadt fliegen, um Futter zu suchen.

Beim Überqueren der Brücke zur Kölner Innenstadt schien endlich mal die Sonne. Bestes Wetter für einen Abstecher zum Kölner Dom. Wir kamen gut voran und haben deshalb schon einige km der für den nächsten Tag vorgesehenen Etappe zurückgelegt. Wir mussten deshalb auch auf einen anderen Campingplatz ausweichen, als wir im Voraus geplant hatten. Leider einen, der diesen Namen nicht verdient. Ein Weiterfahren bis zum nächsten Platz war leider nicht mehr möglich. Dafür hat uns das gute Abendessen in der DLRG-Clubgaststätte hinreichend entschädigt.

Etappe 5: 10.09.2013
Meerbusch bis Wesel – 75 km

Wieder gab es in der Nacht heftige Regenfälle, die bis kurz vor dem Abbau des Zeltes andauerten. Es blieb uns nichts anderes übrig, als das Überzelt nass einzupacken. Die Radwege in den ländlichen Gebieten befanden sich in einem hervorragenden Zustand, waren gut ausgeschildert und verliefen überwiegend auf dem Rheindamm. Das ermöglichte uns eine gute Aussicht auf den Rhein und die Landschaft. Die Fahrt durch die großen Städte, wie Duisburg und Mörs, stellten uns wegen fehlender Beschilderung vor eine besondere Herausforderung. Doch mit Hilfe von Radwegkarte, Befragung von Passanten, dem Wissen, dass wir uns immer Richtung Rhein halten mussten und dem Naviprogramm des I-Phons gelang es uns, den Weg zum Campingplatz auf der Grav-Insel bei Wesel zu finden. Zu allem Überfluss hatten wir auch noch sehr starken Gegenwind und kurz vor der Ankunft auf dem Platz fing es wieder einmal an, sehr stark zu regnen.

Während der Anfahrt auf den Platz sahen wir auf dem Platzgelände 3 kleine Häuschen stehen, ähnlich, wie wir sie von den Campingplätzen in Skandinavien als Blockhütten zum Anmieten kennen.
Wegen des starken Regens fragten wir gleich bei der Ankunft in der Rezeption, ob diese noch frei wären und zu welchem Mietpreis. Zunächst wurden gefragt, ob man uns einen Kaffee anbieten könne. So begrüßt wurden wir auf einem Campingplatz noch nie. Die Häuschen sollten 30 Euro die Nacht kosten, aber man bot uns zum gleichen Preis einen Mietwohnwagen mit aufgebautem Vorzelt an, damit wir unsere Fahrräder und Gepäck besser unterbringen konnten. Das Angebot, das uns so freundlich entgegengebracht wurde, schlugen wir natürlich nicht aus, zumal auch für die nächsten Tage Regenschauer angesagt wurden. Mit ausreichend Informationsmaterial, z. B. wie wir am Besten nach Xanten kommen und wie wir einen Pizzalieferservice erreichen können, bezogen wir den Wohnwagen. Die Pizza hat hervorragend geschmeckt und die Nacht haben wir trotz Starkregens gut und im Trocknen verbracht.

Wesel: 11.09.2013

Den heutigen Tag nutzten wir, um zu entspannen, alle angefallenen E-Mails abzuarbeiten, diese Seite zu vervollständigen und unser Material zu pflegen.

Obwohl sich heute Sonne, starke Bewölkung und Starkregen mit Hagelschauer und Gewitter abwechselten, gelang es uns, das nasse Überzelt vollständig zu trocken. Um eine aufgespaltene Zeltstange, aus der der Spanngummi hervorkam, zu reparieren, konnten wir in dem Geschäft auf dem Platz eine Rolle Panzerband erwerben. Wir hoffen, dass das auf diese Art reparierte Zeltgestänge die Tour durchhält. Für morgen steht die Besichtigung von Xanten mit dem archäologischen Park und der Stadt selbst auf dem Programm.

Wesel und Xanten: 12.09.2013 – 55 km

Wesel liegt fast gegenüber von Xanten, einer Stadt mit historischem Hintergrund. Anlass

genug für uns, einen Ausflug dorthin zu machen, auch wenn es wegen der Überquerung
des Rheins ein langer Weg von 25 km (einfache Strecke) war. Zur Mittagszeit erreichten
wir den Archäologischen Park Xanten. An einem der Eingänge stehen Fahrradboxen bereit. Gegen ein Pfand von jeweils 10 Euro erhalten wir 2 Schlüssel. Beruhigt schieben wir unsere Fahrräder hinein, hängen noch unsere Helme daran und können uns nun ganz
dem Park widmen, der sich über mehrer ha erstreckt. 2 Römische Legionen waren dort zu Beginn unserer jetzigen Zeitrechnung stationiert.

Manches wurde bzw. wird rekonstruiert, noch ausgegraben und weiterhin archäologisch untersucht und erforscht. In den Ausstellungs-räumen sind sehr viele Funde zu besichtigen. Auch wird versucht, die damalige Zeit mit ihren ganzen Problemen aufzubereiten und darzustellen.

Über 3 Stunden sind wir über das Gelände und durch die Ausstellungen gelaufen. Natürlich hat es zwischendurch wieder geregnet. Der Wettgott war aber so gnädig, dass wir trocken mit dem Fahrrad hin und zurückfahren konnten.

Etappe 6 : 13.09.2013
Wesel bis Marl:  53 km

Für heute war eine relativ kurze Strecke vorgesehen. Abends war auch kein Zeltaufbau erforderlich. Deshalb war es nicht sonderlich schlimm, dass wir erst nach 10 Uhr aufbrechen konnten. Ettliche km führten entlang des Wesel-Datteln-Kanals.

Die Sonne kämpfte sich durch den Hochnebel. Zur Mittagszeit war es so warm, dass wir wieder einmal in T-Schirt und Radlerhose weiterfahren konnten. Dabei genossen wir den Spätsommertag. Wie in anderen größeren Städten hatten wir auch in Marl mit der Radwegebeschilderung unsere Probleme, sodass wir wieder das I-Phone mit Navigation zu Hilfe nehmen mussten. Um 16.30 Uhr kamen wir bei unseren Gastgebern für die nächsten 2 Tage an. Hier wurden wir auf das Herzlichste empfangen, hervorragend untergebracht und sehr gut bewirtet.

Marl: 14.09.2013

Heute war ein fahrradfreier Tag. Mit unseren Gastgebern besuchten wir die ehemalige Zeche Zollverein, die jetzt als Museum fungiert und Weltkulturerbe ist.

Die Dimensionen der Gebäude und Maschinenanlagen sind enorm. Für eine vollständige Besichtigung würde selbst ein ganzer Tag nicht reichen. Darum beschränkten wir uns auf den
Museumsbesuch in der ehe- maligen Kohlewäscherei.

Etappe 7: 15.09.2013
Marl bis Lüdingshausen –  47 km

Postkartenwetter! Kleine weiße Wolken am Himmel und die Bäume fangen an, ihr Herbstkleid anzulegen. Unser Gastgeber begleitete uns noch ein Stück, ebenfalls mit dem Fahrrad, bis wir den Dortmund-Ems-Kanal erreichten. Von hier aus konnten wir wieder auf bekiester, aber doch ebener Strecke fahren und kamen gut voran.


Ein tolles Panorama bot der Stausee bei Haltern, auf dem eine Segelregatta stattfand. Heute stand die kürzeste Etappe an, da wir für den Nachmittag uns noch eine Besichtigung vorgenommen hatten. Nach etwa 37 km erreichten wir den Campingplatz. Schnell war das Zelt aufgebaut, wir aßen unsere mitgebrachten Brötchen und schwangen uns erneut auf die Räder. Wir fuhren zur Burg Vischering bei Lüdinghausen. Die überwiegend als Rundbau gestaltete Burg ist komplett von Wasser umgeben.

Wir liefen einmal rund herum und machten noch einen Abstecher in die Altstadt von Lüdinghausen. Hier fand gerade das Altstadtfest statt. Unsere Räder mussten wir am Rande des Festes abstellen, weil sonst kein Durchkommen möglich war. 2 Bühnen für Musik waren aufgestellt. In den Gassen, die ohnehin Fußgängerzonen sind, schoben und drängelten die Leute. Es duftete nach Waffeln, Bratwurst, Eintopf, Seifen und Gewürze. Es gab kaum ein Fortkommen und wir mussten aufpassen, dass wir uns nicht verlieren. Alle Geschäfte in den Fußgängerzonen waren geöffnet und boten ihre Waren und Dienstleistungen an. Vor lauter Ständen, Buden und den vielen Leuten erhielten wir gar keinen Eindruck von der Alststadt selbst. Als wir am Abend auf dem Campingplatz waren, hallte von der Stadt noch Musik vom Festumzug bis zu uns herüber.

Etappe 8: 16.09.2013
Lüdinghausen bis Sassenberg – 84 km

Die ganze Nacht regnete es und Sturm tat sein Übriges. Zum Glück war unser Stellplatz von 3 Seiten mit schützenden Hecken umgeben, so dass unser Zelt dem Wind stand halten konnte. Als der Regen nachlies, legte sich auch der Wind. Somit blieb das Zelt klitschenass und musste wieder in der Plastiktüte verstaut werden. Nach ca. 10 km konnten wir in Senden frühstücken. Die Radwegequalität reichte heute von excellent bis katastrophal.

Am Dortmund-Ems-Kanal war der Radweg über 10 km lang nur eine Baustelle auf der einen Seite und auf der anderen Seite nur als Trampelpfad vorhanden. Teilweise war eine Umleitung ausgeschildert. Der Weg entlang des Kanals hatte den Vorteil, auf ebenem Gelände fahren zu können. Zur späten Mittagszeit erreichten wir Münster.

in Münster

Wir wussten ja schon, das Münster eine Radfahrer freundliche Stadt ist. Dennoch waren wir überrascht. Überall parkten Räder, selbst sperrige Güter werden auf dem Rad transportiert. Am Bahnhof gibt es eine Fahrradgarage für 3000 Räder. In der Altstadt konzentriert sich alles noch. Aber mit dem Auto ging es dort gar nicht. In der Altstadt gibt es wunderschöne  Häuser aus der vorhergehenden Jahrhundertwende. Man hätte noch länger verweilen können, doch unser Tagesziel lag noch eine Strecke entfernt. Die nächste Stadt war Warendorf.

In Warendorf

Auch sie bietet in ihrem Zentrum ein gemütliches Flair und verleitete uns, einen zusätzlichen Bogen durch die schönen Straßen zu fahren. Als wir endlich gegen 17:00 Uhr in Sassenberg ankamen, hatten wir 84 km zurückgelegt. Das glückte uns jedoch nur, weil wir überwiegend Rückenwind hatten und es trocken geblieben ist. Unangenehm war nur, dass wir ein nasses Zelt aufstellen mussten. Der Wind trocknete es doch relativ schnell. Unterkunft gesichert.

Etappe 9: 17.09.2013
Sassenberg bis Bad Oeynhausen – 86 km

Eine sternenklare Nacht bescherte uns Tiefsttemperaturen von ca. 6 Grad. Nach einem ausgiebigem Frühstück im Bistro am Platz fuhren wir gegen 9:30 Uhr los. Etliche Höhenmeter mussten wir heute bewältigen, teilweise schiebend. Dass wir trotzdem gut voran kamen, hatten wir dem teilweise starken Rückenwind zu verdanken.

Bei Spenge legten wir an einer historischen Mühle eine kurze Rast ein. Von Anfang an begleitete uns die Sonne. Eine Stunde lang fuhren wir sogar in kurzen Hosen, bis sich die Bewölkung verdichtete und zur Mittagszeit der Regen wieder einsetzte. Auf der Fahrt durch das Münsterland ist uns aufgefallen, dass es mehr Pferde auf den Koppeln, als Kühe auf der Weide zu sehen gab. Ab Bünde folgten wir dem Else-Werre-Radweg bis zur Weser und damit bis nach Bad Oeynhausen, unserem Zielort. Das nun ebene Gelände sorgte für schnelleses Vorankommen.

Wir kamen direkt an einem Gradierwerk vorbei. Das herrunterrieselnde Wasser bildet Ablagerungen am Reisig und sah aus, wie Korallenzweige. Wir folgten der Werre bis zur Mündung in die Weser und führen noch wenige 100 m Weseraufwärts bis zu einer Personenfähre.
Den Fährmann riefen wir durch Leuten einer Schiffsglocke.

Die Weser ist nach Aussage des Fährmanns der am schnellsten fliesende Strom Deutschlands. Wir befanden uns nun auf der anderen Seite der Weser im großen Weserbogen. Kurze Zeit später kamen wir auf dem Campingplatz an.


18.09.2013
Bad Oeynhausen bis Minden – 57 km

Die ganze Nacht hat es nur geregnet, dafür war es nicht mehr ganz so kalt. Porta Westfalica und Minden standen heute auf unserem Ausflugsplan. Mit leichtem Gepäck brachen wir gegen 9:00 Uhr auf. Am Weserradweg entlang lies es sich sehr gut bis Minden radeln. In Barkhausen etwa gegenüber der Stadt Porta Westfalica blickte das Kaiser-Wilhelm-Denkmal von 208 m Höhe herab. Auf der anderen Seite erhob sich der 235 m hohe Jakobsberg und mitten hindurch fliest die Weser.

In Minden schauten wir uns zunächst das Wasserkreuz an. Hier überquert der Mittellandkanal die Weser. Von der Weser aus betrachtet, fahren die Schiffe im Kanal über eine Brücke über die Weser. Diese Brücke besteht schon über 100 Jahre. 1997 wurde eine zweite Brücke fertiggestellt, um den gestiegenen Schiffsverkehr aufnehmen zu können. Riesige Pumpen sind erforderlich, um den Wasserstand im Kanal zu halten und über Schleusen eine Schiffsverbindung von und zur Weser zu ermöglichen.

Anschließend folgte noch eine Besichtigung des alten Ortskerns von Minden. Hier gibt es viele beschauliche Ecken und Winkel.

Auf dem Rückweg quälten wir uns in Barkhausen noch die Serpentinenstraße zum Denkmal hinauf.

Von hier oben konnten wir sehr gut den Weserdurchbruch sehen.

Wieder an der Weser angekommen, sahen wir einen Pegel, der die besonderen Hochwasserstände der letzten 540 Jahre anzeigten. Die höchsten Pegelstände gab es jeweils im Januar der Jahr 1682 und 1643. Das zeigt uns, dass es bereits früher Hochwasser und Überschwemmungen mit enormen Ausmaßen gab.

Zum Ende des Ausflugs brachte uns die Fähre Amanda wieder auf die andere Weserseite.

Etappe 10: 19.09.2013
Bad Oeynhausen bis Horn-Bad Meinberg – 55 km

Geweckt wurden wir durch das Geschnatter der überall am Fluss anzutreffenden Gänse. Jetzt in der Herbstzeit kommen wir nicht mehr umhin, morgens ein nasses Zelt einzupacken. Von Innen bildet sich Kondenswasser und von außen legt sich der Morgentau auf das Zelt. Bis wir mit dem Packen fertig waren, waren auch unsere Schuhe durch das nasse Gras feucht geworden. Der Hochnebel zog sich zurück und die Sonne wärmte uns. Doch der Wind war noch recht kalt. Viele Radwege waren übersäht mit Eicheln. Hinter Vlotho wurde es hügelig. Unsere erste Bergetappe begann. Sollte es so weitergehen, würden wir die vorgesehen Etappe für den heutigen Tag nicht bewältigen können. Bis Bad Salzufflen mühten wir uns ab, doch dann wurde es ebener und der Gegenwind lies nach. Zu Fuß liefen wir durch die Altstadt und die Fußgängerzonen. Viele alte Fachwerkbauten haben die Jahrhunderte überstanden und sind liebevoll renoviert und restauriert worden. Gleiches sahen wir auch in Detmold. Mitten in der Stadt steht das Schloss, umgeben von einem breiten Wassergraben. In Horn, einem Stadteil von Horn-Bad Meinberg suchten wir eine Unterkunft, weil es in unmittelbarer Nähe keinen Campingplatz gab. Im ältesten Haus der Stadt, das schon im Jahre 1567 als Gastshaus errichtet wurde bekamen wir Unterkunft und konnten die Räder und den Nachläufer sicher unterstellen..

Etappe 11: 20.09.2013
Horn-Bad Meinberg bis Beverungen – 61 km

Etappe 12: 21.09.2013
Beverungen bis Guxhagen – 103 km

Unsere Pension war eine schöne und ruhige Unterkunft. Am vorangegangenen Abend konnten wir unsere Fahrräder in deren Garage stellen und die nassen Sachen im Heizungskeller aufhängen. Anschließend erhielten wir einen Wilkommenstrunk zur ersten Stärkung.
Am Morgen verabschiedete uns der Hausherr mit der nordrhein-westfälischen Flagge. um 9:45 Uhr waren wir wieder in Hessen. Der Weg entlang der Weser ist gut ausgebaut und beschildert, die Steigung kaum spürbar. Bis auf wenige Ausnahmen fuhren wir nur entlang des Flusses, umgeben von Wald, Wiesen und Feldern. In den kleinen Orten, durch die wir fuhren, konnten wir überall gut erhaltene Fachwerkhäuser sehen. Ab Hann.Münden folgten wir der Fulda, die wir zunächst nur als Flüsschen wahrnahmen. Nach der ersten Staustufe änderte sich das Bild. Obwohl wir uns flussauf bewegten, wurde die Fulda immer breiter. Kurz vor Kassel sahen wir dann auch einige Ausflugsschiffe und etliche Sportboote auf der Fulda dahinfahren. In Kassel war ein Fest, man hörte schon Musik und roch gebrannte Mandeln. Mit unseren Fahrrädern dort durchzulaufen, trauten wir uns dann doch nicht.

Dafür machten wir bei der Orangerie eine kleine Rast und konnten den Leuten beim Boule-Spiel zusehen. Nach Kassel hatten wir wieder Natur pur. In Guxhagen fanden wir dann eine Pension für die Übernachtung.

Etappe 13: 22.09.2013
Guxhagen bis Schlitz – 103 km

Auch die vorletzte Etappe führte uns wieder durch Ortschaften, die uns mit ihren gut erhaltenen Fachwerkhäusern sehr gut gefielen.

Nach Malsfeld gab es 2 Möglichkeiten, den Radweg zu befahren. An der Gabelung wurde uns von Passanten empfohlen, mit unserem schweren Gepäck den Weg über die Hügel zu meiden und die Fähre über die Fulda zu benutzen. Das war ein guter Vorschlag, denn Fähren hatten wir auf unserer Tour schon oft in Anspruch genommen. Von dieser Selbstbedienugsfähre waren wir aber schon überrascht. Mit Muskelkraft schafften wir uns und unsere Räder auf die andere Seite.

Ansonsten verlief die Fahrt ohne weitere Höhepunkte. Auch das Wetter spielte einigermaßen mit.

Etappe 15: 23.09.2013
Schlitz bis Rodenbach – 114 km

Letzter Tag unserer Tour. Heute hatten wir schon die Möglichkeit, um 7:00 Uhr zu frühstücken. Das kam uns sehr entgegen, denn so konnten wir unsere lange Etappe schon recht früh, kurz nach 8:00 Uhr, beginnen. Es war die anstrengenste Etappe unserer Reise. Von Schlitz bis Fulda war alles noch recht harmlos.

Der stetig leicht steigende Weg war gut zu bewältigen. Aber dann wechselnten sich stärke Anstiege und kleine Abfahrten bis nach Flieden ab, so dass wir öfters gezwungen wurden, unsere schweren Räder zu schieben. So oft, wie auf dieser Strecke, hatten wir sonst keine Pausen einlegen müssen.


Auch hatten wir uns kaium noch Zeit für Besichtigungen genommen, weil wir das Ziel, endlich wieder zu Hause zu sein, immer vor unseren Augen hatten.
Um 19:00 Uhr hatten wir es dann geschafft. Nach 1230 km waren wir wieder gesund, aber völlig abgekämpft zu Hause, wo uns unser Sohn mit einem leckeren Abendessen empfangen hat.

Fazit der Reise:
Die 1230 km lange Reise war wieder einmal eine Herausforderung an unsere Leistungsfähigkeit. Das wurde uns immer wieder bewusst, wenn wir uns mit unserem gesamten Gepäck auch leichtere Steigungen hinaufmühten, während uns Radfahrer ohne Gepäck auf ihren leichten Rädern mühelos überholten. Auch trotz des schlechten Wetters, das uns auf unserer Tour abwechselnd begleitete, hat die Reise Spaß gemacht. Dazu zählten auch die Begegnungen entlang der Strecke, die immer freundlich und teilweise auch sehr lustig waren.
Dennoch war es unsere letzte Tour in dieser Art.
Es ist nicht die Anstrengung und das Wetter, das uns zu dieser Entscheidung geführt hat, sondern die Tatsache, dass die Campingplätze nicht auf 2-Rad-Reisende eingestellt sind. Es fehlt auf fast allen Plätzen an Sitzgelegenheiten und an Aufenthaltsräumen, in die man sich, wenn das Zelt aufgebaut ist, begeben kann. Das dies auch anders geht, haben wir auf Plätzen im skandinavischen Raum gesehen. Dort verfügen ein großer Teil der Plätze über solche Einrichtungen. Teilweise sind sogar Räume vorhanden, um feuchte Sachen zu trocknen.

2 Gedanken zu „Rodenbach – Wesel – Minden – Rodenbach

  1. Hallo ihr zwei, endlich habe ich mal die Zeit nach euch Ausschau zu halten. Nach unserem Urlaub die Wäsche und wegräumen ist eins. Das Kreuz, das nicht mitmacht ist das andere. So habt ihr euch das mit dem Wetter bestimmt nicht vorgestellt. Leider soll es auch weiterhin immer mal Regenschauer geben. Zum Glück gibt es den ein oder anderen Gasthof, oder besonders gute Campingplätze. Weiterhin eine schöne Fahrt und ich melde mich mal wieder, LG Birgit und Frank

  2. Na ihr Zwei,
    jetzt habt ihr es bald geschafft. Bis nach Hause ist es nicht mehr weit. Oder seit Ihr schon zu Hause?? Mit dem Wetter hattet Ihr wohl etwas pech dieses Jahr. Kalt und regnerisch, puuhhhhhh. Wir sind heute Abend in Bischofsheim und werden die Vereinsmeisterschaft schießen. Werden an Heike denken. liebe grüße von uns.

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